Liebe BVMB-Mitglieder,

zu meiner Mail zum Unterrichtsfach Medien und Informatik, das inzwischen abgesagt  und in die Fächer Medien und Demokratie sowie Informatik und KI aufgeteilt wurde, hat mich folgendes Schreiben vom zuständigen Generalsekretär Martin Netzer erreicht - verbunden mit der Bitte um Weiterleitung; einer Bitte, der ich hiermit gerne nachkomme:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

besten Dank, dass ich Gelegenheit erhalte, im Rahmen der jüngsten Entwicklungen zur Einführung der Unterrichtsfächer „Medien und Demokratie“ sowie „Informatik und KI“ in der AHS-Oberstufe zu einigen wichtigen Punkten Stellung zu nehmen und die aktuelle Situation erläutern.

Zunächst ist es wichtig hervorzuheben, dass der geplante Unterrichtsgegenstand „Medien und Demokratie“ definitiv kein „Feigenblatt“, sondern ein eigenständiges Fach ist. Mit zwei zusätzlichen Wochenstunden erhält die Medienbildung eine konkrete Verankerung im Lehrplan der AHS-Oberstufe, die davor nicht existierte. Ziel ist die Entwicklung von kreativen, analytischen und gestalterischen Kompetenzen sowie die Förderung einer reflektierten und demokratischen Medienkompetenz. Die Lehrplaninhalte sind umfassend und bauen auf dem bisherigen Input der Lehrplanarbeitsgruppe auf. Sie beinhalten:

• Die kritische Analyse von medialen Prozessen und Öffentlichkeiten

• Die kreative und reflektierte Medienproduktion in verschiedensten Formaten

• Die Auseinandersetzung mit Mediensprachen, Ästhetik und gesellschaftlichen Zusammenhängen

• Die Förderung demokratischer Teilhabe und Resilienz im Umgang mit digitalen Medien

Mit der Einführung eines eigenständigen Faches schaffen wir – erstmals und sichtbar – eine fachlich vertiefte, moderne Medienbildung im österreichischen Schulwesen. Die parallele Einführung von „Informatik und KI“ gewährleistet, dass beide Bereiche mit spezifischen Methoden vermittelt werden können. Dies sorgt für klare fachliche Profile und vermeidet eine Verwässerung der Inhalte, wie sie in einem rein integrierten Fach zu befürchten wäre.

Die Maturabilität der beiden Fächer ergibt sich nicht durch eine zusätzliche schulautonome Stunde, sondern durch die rechtlichen und curricularen Rahmenbedingungen. Für die neuen Lehrpläne der Sekundarstufe II sind daher zwei Wahlpflichtgegenstände vorgesehen: „Informatik vertiefend“ sowie „Medien und Gestaltung“. Beide ermöglichen eine echte Vertiefung – einschließlich einer maturarelevanten Schwerpunktsetzung.

Darüber hinaus wird die Weiterentwicklung und Qualifizierung der Lehrkräfte durch gezielte Studien- und Weiterbildungsangebote aktiv unterstützt. Dadurch erhält Medienbildung auch auf der Ebene der tertiären Ausbildung die notwendige Nachhaltigkeit und Perspektive.

Ich verstehe die Enttäuschung über die anhaltenden Diskussionen um die Ausgestaltung der Medienbildung und die mehrfach notwendigen Beratungsrunden in den Arbeitsgruppen.

Meine Bitte ist, den erzielten Fortschritt dennoch anzuerkennen und aktiv zu nutzen, um die Qualität und den Stellenwert von Medienbildung weiter auszubauen. Ich sehe es als große Chance, Medienbildung nun als eigenständiges, ambitioniertes Fach in der AHS-Oberstufe zu verankern.

Mein großer Dank gilt Gerhard Brandhofer, Elke Hackl und Christian Swertz als Mitglieder der Lehrplan-Arbeitsgruppe. Sie haben es mit ihrer fachlichen Expertise, ihrer langjährigen Erfahrung und ihrer Ausdauer erst möglich gemacht, dass Medienbildung nun einen neuen Stellenwert erhält.

Mit besten Grüßen

Martin Netzer